Mainstream

Wann ist es uncool geworden, Pop-Musik zu hören? Warum schäme ich mich, wenn ich sage: „Ja, ich höre das neue Album von Harry Styles.“ Weshalb muss man heute immer zwangsweise dagegen sein, nur um nicht mitzuschwimmen? Muss man sich wirklich selbst verleugnen, nur um akzeptiert zu werden?

Und was, wenn ich es nicht schlimm finde Kommerzmusik zu hören, mein Essen zu fotografieren und „YouTuber“ als Beruf auszuüben? Was, wenn ich einfach nur ein Teil der Masse bin, der nicht grundlegend anti ist? Was, wenn mir Radiohead auf die Nerven geht und ich es nicht schaffe, auf Käse zu verzichten, weil er mir einfach zu gut schmeckt?

Nicht, dass jeder Trend gut sei und ich all dem blind folgen würde, aber ich gebe zu: Ja, auch ich bin irgendwo ‚Mainstream‘.
Und das ist vollkommen okay.

six

Heute sind es sechs Jahre. Vor sechs Jahren habe ich diesen Blog gegründet. Wie kann das sein. Wie kann ich schon so alt geworden sein, dass ich sagen kann, dass etwas sechs Jahre her ist. Die Zeit rast so sehr, die Anforderungen werden immer größer, immer neuer und ich habe so viel Angst. Bin so zwiegespalten. Dieser Drang, etwas zu erleben. Fast gezwungen, weil alle um einen rum plötzlich in die exotischsten Länder reisen, Geschichten mitbringen und sie so toll erzählen können. Und ich stehe hier, trete vielleicht auf der Stelle, vielleicht auch nicht. Warum komme ich nicht weiter, warum habe ich so viel Angst davor. Wie kann es sein, dass ich vor sechs Jahren noch nicht einmal in der Nähe war mein Abitur zu schreiben und heute bin ich sogar fast fertig mit dem Studium. Aber ich bin doch gar nicht bereit für diese Welt. Warum muss ich denn von jetzt auf gleich bereit für diese Welt sein? Warum muss ich mich selbst immer über meine Grenzen hinaus pushen. Ich wünschte, mir würden all diese im Vergleich lächerlichen Probleme viel leichter zu bewältigen fallen.

Hat sich also nichts verändert? Habe ich vor sechs Jahren nicht auch schon diese wahninnigen Zukunftsängste gehabt? Wann hört das auf? Hört das auf?

goodbye

Und dann sind wir jetzt hier angekommen. Dass man sich nicht mehr zum Geburtstag gratuliert und ansonsten auch nichts mehr voneinander weiß. Es ist genau so wie die Zeit, bevor wir uns kannten. Bloß dass wir zwischendurch unsere Leben vereint haben. Für kurze Zeit haben wir unsere Träume, Wünsche und Ängste geteilt. Wir haben so viel erlebt, so viele Worte gesprochen, so viele Tränen geweint. Ich denke an dich, denkst du an mich? Bereue nichts, denn jetzt ist alles so schön und du hast mir so geholfen, hier her zu kommen. Du hast mich so viel stärker gemacht, mich so sehr geprägt. Ich werde immer Spuren von dir auf mir tragen und das finde ich schön. Und ganz heimlich wünsche ich mir, dass du mich nicht vergisst und du auch mit einem Lächeln zurück denkst. Denn es war nicht alles schlecht und ich habe es nicht verdient, dass es dir plötzlich so schwer fiel, mir ‚Hallo‘ zu sagen, nachdem du mir tschüss gesagt hast.

Wir haben nur eine ganz kurze Zeit zueinander gepasst und diese Zeit haben wir viel zu lange ausgekostet. Wenn wir uns heute kennen lernen würden, würden wir uns dann auch verlieben?
In jeder Sekunde wünsche ich dir das Beste, dass all deine Träume wahr werden, du wächst und dass dir jemand all das geben kann, was ich dir nie geben konnte.

Danke für 872 Tage voller Glückhasswutsehnsuchtlachenleichtigkeit und Liebe, diese verdammte Liebe.

honest

Wahnsinn. Time flies. Zwar ist das offizielle Datum mal wieder überschritten und ich schon gar nicht mehr benachrichtigt worden, aber hey, es gibt was zu feiern! Holt den Wein, die Partyhüte und all unsere Wünsche zusammen und wir feiern, dass es diesen kleinen, winzigen Platz im Internet nun schon seit mehr als 5 Jahren gibt. Wuuuuuh!

In diesen fünf Jahren ist so unendlich viel passiert, dass es mir vorkommen wie 10. Und lustiger Weise habe ich das Gefühl, dass ich immer noch bin, wie ich damals war. Bleibt das jetzt immer so, wird man einfach äußerlich irgendwann wachsen, aber der Charakter steht eigentlich fest?

Und dann immer dieses „Ich will aber gar nicht älter werden, denn das heißt mehr Verantwortung und bin ich überhaupt bereit für all das?“ Ist das nicht die Angst, die mit meiner Generation verbunden wird und wieso teilen sie so viele Menschen. Haben unsere Eltern irgendwas anders gemacht? Wann kommt mein Moment, den ich vom Leben erwarte, in dem ich mich endlich bereit und auch ‚erwachsen‘ fühle. Bin ich irgendwann 56 und habe immer noch Angst?

Jetzt sitze ich hier vor meinem Blog, der mir manchmal eine Freude und manchmal eine Last ist, denn alles muss ja irgendwie passen und wenn ich so etwas Unvollständiges posten würde, wäre das zwar ehrlich, aber nicht klischeehaft. Will ich klischeehaft sein? Möchte ich nicht lieber ausgefeilt, durchdacht, strukturiert, passend sein? Wieso werde ich jeden Tag irgendwas, aber kann es so wenig lenken, hab immer dieses Gefühl der Machtlosigkeit. Das so an meinen Nerven zerrt, dass ich Panikattacken bekomme.

Ich kann andere Menschen nicht beeinflussen und wenn Dinge zu rollen beginnen nicht mehr aufhalten. Wo ist mein Speicherpunkt, bei dem ich immer wieder anfangen kann, so lange bis es klappt und ich nicht die Kontrolle über das Auto verliere oder das Mädchen nicht direkt vor meine Füße kotzt.

Dinge passieren und weise Menschen sagen, dass sie uns immer stärker machen, aber manches macht mich auch immer kleiner und die Angst davor, dass die Angst eintritt frisst mich irgendwann auf. Vielleicht gehört das nicht hier her, aber wohin denn sonst. Denn es reiht sich schön in die Schlange ein und ist doch auch nur eine weitere Offenbarung, dass das Internet nur das ist, was wir von uns zeigen wollen.

judge

Man wird so oft gefragt, was das Beste an irgendetwas war oder ist. Und ich glaube, ich würde auf diese Frage bezüglich meines Lebens antworten, dass ich trotz allem unglaublich frei bin. Ich leben in diesem Luxus, dass ich jede Entscheidung selbst treffen darf, dass ich meine nahstehenden Menschen so gewählt habe, dass sie mich einfach respektieren, wie ich bin. Und dieser Respekt, den ich Ihnen genau so aufbringe wie sie mir, ist der Grundstein meiner unglaublichen Glücklichkeit.

Es gibt keine höhere Kunst, als die Mitmenschen so zu nehmen, wie sie sind. Und wenn man so jemanden gefunden hat, der einen trotz all seinen Macken und dem Bedürfnis danach, sich vielleicht nicht alle zwei Tage melden zu müssen, nimmt – ganz dringend: festhalten.

Vielleicht kann man andere Menschen nur lieben, wenn man sich selbst genügend liebt. Denn dann hört man auf, eigene Fehler auf andere zu projizieren. Man kann gütig sein und all diese Werte ausleben, an denen es in unserer Welt so häufig mangelt.

Also ja – das, worauf ich in meinem Leben am meisten Wert lege, ist tatsächlich der Respekt. Denn mein größter Wunsch ist, dass jeder Mensch existieren kann, wie er das möchte und niemand mehr verurteilt wird.

sickening

Warum fällt es so vielen Menschen so schwer, seine Mitmenschen einfach zu akzeptieren, wie sie sind. Warum wird so schnell verurteilt und gesagt: „Nein, das macht man nicht!“

Wer hat denn festgelegt, dass der Hosenstall nicht offen sein darf und nur dünne Menschen mit dem Wort ’schön‘ bezeichnet werden dürfen?

Es ekelt mich, dass die menschliche Natur anscheinend nur darauf aus ist, die anderen schlecht zu machen, um sich selbst besser zu fühlen. Und ja niemals darauf achten, dass man selbst vielleicht überhaupt gar nicht besser ist, als die, die wir verurteilen.

Wer hat uns denn überhaupt das Recht gegeben über andere zu urteilen? Warum können sich nicht einfach alle gern haben – oder ihre Sachen machen, glücklich und frei sein und die anderen einfach in Ruhe lassen.

immer diese liebe

Weiß man immer so genau, wer die wirklich erste Liebe war? Alle sprechen von ihr und sind sich so sicher, dass sie mindestens schon einmal mit ihr frühstücken waren und sie eigentlich ziemlich nett war, aber es dann eben doch zu viel wurde. Und dann hat man sich Lebewohl gesagt, versucht zu lächeln, weil man ja wusste, dass es besser so war und still und heimlich merkte man, dass man gerade zum ersten Mal spürt, wie sich Verlust anfühlt.

Und nach all den Jahren schaltet man dieses Lied an, welches man von der Liebe gezeigt bekommen hat, was man früher rauf und runter und rauf und runter gehört hat und merkt erst jetzt, dass dieses Lied, was die Definition des Seins war, eigentlich von Verlust handelt. Von diesem ekligen Gefühl, was tagelang in einem war, was einen so satt gemacht hat, dass man einfach keinen Hunger mehr hatte.

Als ob man nach all den Jahren immer noch diesen Schmerz spüren könnte. Merkt man daran, dass das die erste Liebe war? Und dass man trotz all dem wahnsinnigen Glück und Pech und verdammter Liebe immer noch daran denken muss?

Stimmt es, dass einen die erste Liebe niemals wirklich verlässt?

coming over

Und wie wir träumen von all den Dingen, die sich jeder wünscht. Nachts spontan besuchen, um doch noch nebeneinander einschlafen zu können. Kleine Küsse in den Nacken und versuchen, aufzuhören zu grinsen.

Kann mir nichts besseres vorstellen, als in eine andere Stadt zu ziehen und dich mitzunehmen. Zu Hause ist, wo du bist und das ist ganz ernst gemeint.
Schau dich an, denn ich sehe alles, was du bist. Und es ist einfach nur diese wunderbare Mixtur zwischen all diesen verschiedenen Facetten, die mich so wahnsinnig glücklich macht.
Wir können alles irgendwann haben, ich erwarte vom Leben nur das größte. Fliege hoch, zu hoch, kann viel zu tief fallen.

Aber wenn, hat sich jede einzelne Sekunde gelohnt.

Paradoxon

Waswiewowenn aber und dann doch und eben manchmal noch ein vielleicht. Hänge Worte an Wäscheleinen, lasse sie trocknen und serviere sie ihm dann zum Frühstück mit einem Hauch Zucker. Lippen verziehenspitzen und darauf warten, so sehr darauf warten. Mit vielleicht etwas Glück auch bekommen? Und das hier alles verdienen? Keine Ahnung, warum. Ich verstehe es immer noch nicht. Ach, so vieles ist so ungeklärt, aber manchmal vergisst man einfach die riesige Last und macht seine eigenen Probleme zu den größten, obwohl sie doch noch nicht einmal lesen können.

Wir sind hier, nach all den Momenten und stehen fest in unserer Welt, in dieser wunderbarwunderschönen Welt. Nur einen Wimpernschlag alt, aber so riesig wie ein Anzug. Gänsehaut im Nacken bei jedem Atem, der mir nachts so schrecklich fehlt. Mein Glück ist in mehr als 50 Facetten gegliedert, denn in jedem Moment fühlt es sich ein bisschen andersbessergrößer an. Denn nur mit dir kann ich zu Hause sein und es ist so Wahnsinn, dass wir uns selbst nach 16.344 Stunden immer noch leiden können.
Dankedankedanke, ich bin kein Sturm mehr, endlich im Einklang, endlich kann ich jeden Tag nur noch „Wahnsinn“ sagen.

close

Manchmal verliebt man sich ganz still und heimlich in die unauffälligsten Details. Und vermutlich machen auch genau diese es aus. Die großen Dinge kommen einfach, überrumpeln und überwältigen dich, ziehen dich in ihren Bann und stellen alles in den Schatten. Aber was ist mit all den Momenten, die wir erleben, ganz einfach so – ohne großen Krawall.

Küssenden Menschen und die, die einfach nur ihre Hände ineinander halten. Haare hinters Ohr gestrichen bekommen und die ganze Nacht zusammen erzählen und lachen. Sich immer noch kennen lernen, obwohl man doch schon so viele Worte gesprochen hat. Jeden Tag immer wieder Kleinigkeiten feststellen und genau zu wissen, was der andere vom Menü wählen wird. Wenn ein Schmetterling fliegt und all die Sterne am Himmel erkunden. Muster malen, sich lächerliche Kosenamen geben. Sich auch über 12.000 Kilometer Entfernung ein Kribbeln im Bauch verschaffen zu können.

Denn genau das macht doch unser Leben lebenswert und so wahnsinnig einzigartig. Alle kleinen Gesten sind so viel kostbarer als man denkt.